Thierhetzen auf dem Altmarkte
„Den folgnden Tag ein newe lust,Die Jägerpursch anstellen must,Auffn Marckt zu haltn ein Beeren-Jagt,Welchr vmb vnd vmb mit Bretten vermacht.Aus allen Gassen gros vnd klein,Die Jagt zu sehn sich stellen ein.Kein Fenster war da in keinm Haus,Da nicht jhr viel sahen heraus,Etliche auff den Dächern sitzn,Ja auch wol oben auff den Spitzn.Ans Rathhauß war ein Gang gebawtAuff welchm die Herrschafft die Jagt schawt,Auch ander Gäng warn da vmbherAllenthalben besetzet sehr.Wer nicht war an eim ort bekandt,Der bekam schwerlich einen standt,Ich selber must mich drücken laßn,Daß mir der Schweiß gieng vbr die Nasn.Der Mittag war gleich komn herbey,Auff dem Marckt hub sich ein geschrey:Der Churfürst kömpt, macht raum, macht raum,Ich hatt mich vmbgesehen kaum,Siehe, auffm Marckt er schon hergieng,Bald drauff zu Jagen man anfieng:Inn Kästen thet man führn hereinGroße Beeren, auch wilde Schwein:Ein Polnischn Ochsen stellet manMitten auff den Marckt auff den Plan,Welcher mit den Beern streiten solt,Weil sie einandr nicht weren holdt.Vnd nun ließ man ein Beern heraußAuffn Marckt lauffn, aus seinem Haus,Ein großer Beer, ein grewlichs Thier,Deßgleichen kaum vorkommen mir,Mit frewdn lieff er vbrn Marckt dahin,Biß er des Ochßen wurde inn:Mit ihm er sich in Streit einlies,Der Ochs mit seinen Hörnern sties,Der Beer sich mit sein Klawen wehrt,Jetzt fieln sie bald beyd niedr zur Erd:Aber es wert nicht lang der Streit,Bald ließn sie von einander beyd,Vnd lieffen vmbher auff dem Plan,Vnd sahn einandr von ferne an.Vier hohe Bäwm warn auffgericht,Vier Fässr mit Wasser man auch sieht:
Der Beer am Bäwmn auffsteigen wolt,Bald er auch zu dem Wasser trolt,Vnd thet sich allda wiedr erfrischn,Bald ins Faß auch gar hienein wischn:Mit Boltzn auff jhn man schosse zu,An keinem ort hatte er ruh.Aber die Hund wurdn los gelassn,Etliche thetn den Ochssn anfassn,Etlich lieffn auf den Beern hienein,Die Jäger auffm Marckt theten schreyn,Vnd hetzten die Hund weidlich an,Ihr Jägrhörnlein sie klingen lan:Der Ochs auff die Hund vmb sich sties,Der Beer sich auff sein Tatzn verlies,Vnd setzet sich fein darzu niedr,Die Riedn schlug er da hin vnd wiedr.Welche warn vbr den Ochssen her,Ließn ab, vnd lieffn auch zu zum Beer,Vnd kamm zu hülf ihrn armn geselln,Die er so kunt zu boden felln:Englische Hundt auch zu hülff kamn,Vnd sich der armen Riedn annahmn:Die Beernbeißr kamen auch darzu,Vnd ließn ihm nunmehr keine ruh:Da hielt es mit dem Beeren hart,Ob er zwar keiner müh nicht spart,Sondrn mit seim Rachn, vnd Klawen gros,Bald diesm, bald jenem gab ein stos:Doch war es geschehn vmb sein lebnWeil jhm so viel thetn widerstrebn,Die jhn steiff hieltn, auch so viel zeichnAn seine Haut theten darreichn.Als nun der Beer fast vberwundn,Vnd in dem Kampff must liegen vntn:Siehe, mit einem JägerspießDer Churfürst selbst den Beern durchsties:Zur Erden er drauff sincken thet,Vnd starb in seim Blut an der stet:Die alda drauff bestellet sein,Trugen jhn in ein Haus hienein.“
„Es war auch ein Beer vnterm hauffn,Welcher gar nicht außm Kastn wolt lauffn,Er machts in der Clauß ziemlich lang,Weis nicht ob jhm war worden bang,Von dem Geschrey das man da hört,Odr ob jhn sonst was hett bethört,Man thet mit Stangn auff jhn zustossn,Ich gleub fürwahr er merckt den Possn,Bißweilen hub er an zu Brummn,Es halff abr nichts, er must raus kommn:Da er nun endlich herfür kam,Seinen Weg er zur Wand zu nam,Vnd thet an den Heusern herschleichn,Vnd sich fein an die Wände schmeichn,Offt gieng er an die Thürn hienan,Als ob er da wolt klopffen an.Mit Boltzen man jhn schiessen thet,Nichts dest wenigr er langsam geht,Biß man auff jhn die Hunde lies,Die jhm fein kunden machen Füß,Vnd auff der Erden vmbher schleiffn,Biß er auffn letzten Loch thet pfeiffn.Als nun Zehn Beeren warn gejagt,Auch so viel Schweine, wie man sagt:Siehe, vnsr Gnedigstr Herr alsbald,Die Jägerpursch ohn auffenthaltAuffm Marckt zusammen kommen hies,Damit man nun die Jagt abblies:Jetzt warn sie da, jetzt bliessen sie,Solchn brauch hab ich gesehen nie:Sein Churfürstlich Gnad selbst darbeySein Jägerhörnlein lies hören frey,Jhr Hüte sie abzogen all,Vnd bliessen mit frölichem schall.Frantzösisch Hörnr mit Silber schön,Theten da geben ein gethön.Da nun endlich alls war verricht,Ein jeds zu Haus sich wiedr verfügt.“
„Also sey diesr Beschreibung end,Der Leser sie zum besten wend.“
Comments
Loading comments…