Herr im Hause

Herr im Hause.

Schlich der Zorn durch’s HinterpförtchenAuf den Zehen kaum hinaus,Klopft es schon: »Nur auf ein Wörtchen,Bitte, öffne mir das Haus.«

5Und – wahrhaftig! auf der Gasse,

Just als wäre nichts gescheh’n,Steht die Liebe. Nein, ich lasseGanz bestimmt sie weiter geh’n.

Hab’ ich hier nicht in der Wohnung,

10Heut’ erst, offen ihr erklärt,

Dass die Nachsicht und die SchonungAllzu lange nun gewährt?Dass verschlossen bleiben solleMeine Thür ihr allezeit;

15Dass nach ihrer Gunst ich wolle

Fürder fragen keinen Deut?

Dass sie diese letzten WochenMich gepeinigt bis auf’s Mark?Und doch wagt sie anzupochen?

20Nun, das nenn’ ich wirklich stark!

Immer klopfe, immer rufe,Narr, der je dir Antwort gab;Auch nicht eine einz’ge StufeSteig ich deinethalb hinab!

25Stets war ich für dich zu finden,

Rasch vergass ich jeden Groll,Aber deine letzten Sünden –Nein, die waren gar zu toll.Immerdar sind wir geschieden,

30Noch einmal sei dir’s gesagt;

Also geh’ und lass’ in Frieden,Den so lange du geplagt.

Doch sie schmeichelt: »Schick’ mich, Schätzchen,Ungehört nicht von dir fort;

35Nur ein Fünfminutenschwätzchen –

Und ich gehe, auf mein Wort!Ruhig bin ich und vernünftig,Und mein Unrecht reut mich schwer;Glaube mir, ich werde künftig

40Dich erzürnen nimmermehr.«

Tritt denn ein! rief ich der Liebe,Die mich störte, unwirsch zu;Aber mach es kurz, Verehrte,Und dann lasse mich in Ruh!

45Doch kaum steht sie auf der Schwelle,

Schliesst die Thür sie hinter sich,Spricht: »Für alle weitern Fälle,Die den Schlüssel führt, bin ich.

Was? dich reut’s, dass aufgeschlossen

50Du die Thüre? Ohne mich

Kannst du leben! Narrenpossen!Bester Schatz, ich kenne dich!Hat man jemals hören müssenVon der Jugend solch ein Wort?

55Aber, traun, du sollst es büssen,

Und ich bleibe, dir zum Tort.

Ja ich bleibe! Ihre RechteOpfert nicht die schlecht’ste Frau,Und die meinen, – nun ich dächte,

60Sind bekannt dir sehr genau.

Drum am besten ist’s, wenn gütlichDu des Streites dich begiebst;Sieh, du bist schon ganz gemütlich,Und bei dir ist’s – allerliebst!«

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