An die Frauen
[078] An die Frauen
Ging es nach jenen, die der Freiheit SpurVon je verfolgt mit Stangen und mit Spießen,So müßte sich die weibliche NaturDem heißen Hauch, dem Drang der Zeit verschließen,
5So dürfte auch das „sittige" Geschlecht,
Dem gern des Hauses „stille Welt" sie lassen,Um keinen Preis sich mit dem Kampf ums RechtUnd mit dem Sturm, der ringsum weht, befassen.
Sie wissen wohl, es wächst der Männer Mut,
10Die Not des Zustands, den man schlau erklügelt,
wenn der Begeistrung wunderbare GlutAus Frauenaugen blitzt, die Frau beflügelt;Wenn mit dem Mann, nicht gegen ihn sie sinntIn dem gewalt'gen, schicksalsschweren Streite
15Und wenn dem Ernst der Zeit sie abgewinnt
Nach heit'rer Frauenart die lust'ge Seite.
Und viel ist lustig, viel ist lächerlichAn dem Koloß, mit dem die Männer ringen;Sie nehmen alles leicht zu feierlich,
20Zu ernst und schwer an den verhaßten Dingen.
Da springe scherzend die Genossin einMit ihrem Scharfblick, den wir nie erreichen,Und lust'ge Schalkheit soll ihr Helfer sein,Dem Mann die Falten von der Stirn zu streichen!
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