Ein verlorener Posten
Allons, enfants de la patrie!Le jour de gloire est arrivé!
am Tanz, am dargestellten Sinnenbrand,In seiner Gegenwart Gefallen fand.
Weh' denen, die den EwigblindenDes Lichtes Himmelsfackel leih'n!Sie leuchtet nicht, sie kann nur zünden,Und äschert Städt' und Länder ein.
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,Vor dem freien Manne erzittre nicht.
Auf Klippen und Dünen, in Schlick und in Sand,An der Wimper der Woge spritzenden Schaum,Sah ich im Geiste mein Heimatland,Das buchengrüne, in wachem Traum;Wenn im Sturme die Möve ängstlich schrieUnd des Leuchtturms Licht durch den Nebel glomm.Kam fernher geweht eine Melodie,Eine liebe, vertraute, und lockte mich: „Komm!“
Nun bin ich daheim, doch mein Herz ist schwer.In den Domen des heimischen Waldes träumtMeine kranke Seele vom ewigen Meer,Das zu weißem Geflock an der Klippe zerschäumt.Es rauschen die Kronen; die Grasmücke singtDurch die heimliche Stille, doch mir ist weh,Und lausch ich den Stimmen des Waldes, so klingtDurch sie alle hindurch ein mahnendes: „Geh!“
Hier wird mir bange, hier ist es schwül.Ueber grüne Wogen mit Kämmen von SchneeWeht drüben erfrischend der Wind und kühlUnd die Möve kreischt und es donnert die See.Dort war ich ganz und aus einem Guß,Hier bin ich zerrissen, krank und geteilt;Meine Lippe schmachtet nach einem Kuß —Ob Meer und Wind mir die Seele heilt?
Meine Lippen schmachten nach einem Kuß —Ob Wind und Meer mir die Seele heilt?
Es kam zu mir in linden FrühlingstagenDer liebe Traum, den treulich ich gehegt;Jetzt, wo der Sturm die weiße Fläche fegt,Muß ich für immer traurig ihm entsagen.Er narrte lange mich und ist zerronnen,Als ich nach ihm gegriffen mit der Hand,Und mit dem schönen, leeren Trugbild schwandWas heimlich ich gedichtet und gesonnen.
Vorbei! Ich sollte zürnen wohl und fluchen,Dem trügerischen, wesenlosen Bild,Doch immer wieder ward ich weich und mildUnd immer blieb's bei zaudernden Versuchen.Mir ist, als stünd' ich ernst an einem Grabe,Im Auge Thränen, weh das Herz und wund,Und ein: „Leb' wohl, leb' wohl!“ von bleichem MundIst alles, was für meinen Traum ich habe.
Er war so schön — ihm muß ich wohl verzeihen.Ob auch für dich es ein Verzeihen giebt?Was spricht für dich? Daß es dem Traum beliebt,Dir launisch Würde, Wert und Reiz zu leihen?Du warst kein Stern, nur eines Irrlichts Flimmer,Und von gemachten Blumen war dein Kranz;Was mich gelockt, war ein geborgter Glanz,Der bloße Widerschein von fremdem Schimmer.
Vorbei! Ich sollte zürnen dir und grollen,Doch immer wieder ward mein Auge naß,Sah ich im Geiste traurig dich und blaß,Und immer blieb's bei halbem, lauem Wollen.Mit fester Hand greif' ich zum Wanderstabe;Du bist mein Schicksal und du treibst mich fort,Doch ein „Leb' wohl!“, ein mildes Abschiedswort,Ist alles, alles, was ich für dich habe.
Comments
Loading comments…