Sommerschwüle

[094] Sommerschwüle

Es bauen rings sich Tag für TagDie Wetter auf mit fernem Grollen,Doch nie und nie ein fester SchlagUnd nie ein Donnern aus dem Vollen!

5Ein Wetterleuchten fort und fort,

Am Wolkensaum ein rosig Glühen,Ein Zucken hier, ein Zucken dort,Doch nie ein herzhaft Blitzesprühen!

Ein feines Tröpfeln löscht den Staub’

10Und spottend ziehn die Wolken weiter.

Wir sind aufs neu der Dürre Raub’Und rings ist alles blau und heiter.Dem Anfang folgt sogleich der Schluß’Und unsern Fluren fehlt der Segen;

15Es kommt zu keinem derben Guß,

Zu keinem strömend-schweren Regen.

So recht ein Abbild unsrer Zeit,Die nichts in Trümmer schlägt und Splitter!Gewitterschwüle weit und breit,

20Doch nie ein ehrliches Gewitter!

Wer solche Zeit ertragen kannUnd sich nicht sehnt nach Wetterschlachten,Der ist ein halber, lauer Mann,Den muß ein ganzer Mann verachten.

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