Literaturbriefe an eine Dame — IX

Auf, nach Paris! Den Degen in die Hand!Komm, Corse, komm! – Zum Siegen oder Sterben!

Der Friede herrscht, die Waffen ruhn. Nun öffne du des Edens Thor,O deutscher Weltenfrühling, nun in Glanz und Schönheit steig’ empor!O spende, wo die Wunde klafft, den linden Balsam, der sie schließt!Entfalten laß sich jede Kraft, daß sie zum Heil des Ganzen sprießt!Die gold’nen Strahlen gieße aus auf Rebenhang und SaatengrünUnd laß der Wonne Rosenstrauß in nie geahnter Fülle blühn!Laß sprudeln frisch des Wissens Quell und laß ihn rieseln schlammesfrei,Daß seine Woge silberhell den Völkern rings zur Labung sei!Und laß uns nicht im engen Kreis vergöttern unsern eig’nen Werth!Erhalt’ uns jenen Bienenfleiß, der überall uns suchen lehrt,Das Gute in der Näh’ und Fern’, die Blüthen all’ am Menschheitsbaum!Sind wir im eignen Haus die Herr’n, reizt uns kein Weltenherrschaftstraum.Aus des Gedankens Pfeilern steig’ ein Riesentempel himmelwärts;Drin hab’ sein irdisch Himmelreich, sein Allerheiligstes das Herz;Drin mög’ als Hohepriesterin die Kunst an dem Altare stehn!Nur nach dem Höchsten soll sie hin als ew’gem Ziel des Strebens sehn,Nie nach dem Spielzeug und dem Tand als Dienerin des falschen Scheins!Gottlob, nun hat ein Vaterland die deutsche Kunst so stolz wie keins!

Das große, mächt’ge, ew’ge Weltenlied – wer hat es rein und ganz und klar vernommen?Wer hat die ganze Harmonie gehört und ist in Einklang mit dem Lied gekommen,Und hat sich selber als ein Ton gefühlt, vom höchsten Meister weise eingereiht,Die Riesenmelodie der Ewigkeit empfunden in dem flücht’gen Lauf der Zeit?

Grüß’ dich Gott, mein Blumengarten! Schütz’ dich Gott, mein Liebeleben!Dich zu pflegen, dein zu warten sei mir immer Kraft gegeben.Glüht, ihr Lippen, rothe, kleine! Blüht, ihr meine Rosenstöcklein,Und ein Englein breite seine Hände über eure Löcklein.

Füll’ den Pokal mit Schiraswein,Entfess’le deiner Locken Pracht!

Du wendest seitwärts Mund und Wange?Horch, was im Wogenlispeln spricht!Es küssen sacht am UferhangeDie Wellen die Vergißmeinnicht.Und lausche, wie es rauscht verstohlenDort in des Waldes laub’gem Dach –Das ist des Zephyr’s Athemholen!Er küßt die wilden Rosen wach.

Still! Hörst du’s nicht vom Busche schallen?Die Brust durchzuckt’s wie Flammenguß.Das sind des Frühlings Nachtigallen,Das ist des Mai’s gesung’ner Kuß!Fühlst du nicht Wonne unermessenAus dieses Liedes Klängen sprüh’n?Komm, lass’ uns Lipp’ auf Lippe pressen,Mein Lieb’! Die wilden Rosen blüh’n!“

Nein, nicht verfehlt! Durch Sorg’ und NothStählt sich ein rechter Mann zur ernsten That

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