Literaturbriefe an eine Dame — VII

Worüber schon manche Häupter gebrütet,Häupter in Hieroglyphenmützen,Häupter in Turban und schwarzem Barett,Perrückenhäupter und tausend and’reArme, schwitzende Menschenhäupter –

Mein Herz, ich will dich fragen,Was ist denn Liebe? sag’!Zwei Seelen und ein Gedanke,Zwei Herzen und ein Schlag.

Gehorsam ist des Weibes Pflicht auf Erden,Das harte Dulden ist ihr schweres Loos –

Leb’ wohl, mein Percival! Dies Herz voll LiebeWird nie vergessen, wie du es beglückt.Gedenken wird es dein, wenn mein GedächtnißHindämmernd längst verging in diesen Räumen;Denn das Gewes’ne gleicht dem dürren Blatt,Leicht weggeweht im Wirbel der Minuten,Du aber lebe frohe Tage hin!Mit seinem vollsten Strahlenglanz umgebeDer Himmel segnend deine hohe Stirn;Ganz überschütten soll er dich mit LorbernUnd Kränze zahllos häuf’ er auf dein Haupt;In edeln Sprossen grüne dir dein NameUnd ein geliebt’res Weib mag mich ersetzen.O lächeln will ich, lächeln unter Thränen,Wenn sie dich mehr beglückt; denn mehr dich liebenKann keine, keine auf dem Erdenrund.

„Begünstigt das Geschick ein redlich Streben,So fügt es, daß auf unserm rauhen PfadEin freundliches Gemüth dem Wand’rer naht,Erquickend Trost und Beistand ihm zu geben.

So sah ich meine Pfade Dich umschwebenUnd pflegen meiner Lieder junge Saat,Und wenn er schüchtern vor die Menge trat,Des Dichters Traum verkörpern und beleben!

Ich gab das Wort; Du liehst ihm Fleisch und Blut,Der Anmuth Zauber und der Wahrheit Gluth,Und leg’ dies Lied ich huld’gend vor Dir nieder.

Ist mir zu Muth fast, große Künstlerin,Als reicht’ ich nicht ein Weihgeschenk Dir hin.Als gäb’ ich Deine Gabe nur Dir wieder.“

„Wenn der Leib in Staub zerfallen,Lebt der große Name noch!“

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