Literaturbriefe an eine Dame — XIV

Ihr habt’s gewollt! – gewollt zu unsrem Glücke:Der Einheit heil’ges Banner ist entrollt;Germania’s Urkraft schmettert euch in Stücke,Den Cäsar und sein Reich. Ihr habt’s gewollt!

Herrlicher Königssee voll mild majestätischer Schönheit,Heilig erhabene Ruh umschwebt dein Felsengestade.Wellenumspült und strahlenumblitzt und schwalbenumflogenAus smaragdenen Wogen empor ansteigen die Wände,Unabsehbar verdämmern die Höh’n, unergründlich die Tiefen,Daß mit Schwindeln die Hand festgreift in die Ruder des Bootes.Wolkennahe gethürmt gleich Burgen der Götter gigantisch,Schluchtenzerrissen und wild, dem menschlichen Fuß unerreichbar,Ragen die Felsen als Pfeiler der Welt urzeitlicher Schöpfung,Gleich als bewachten sie still den geheiligten See vor der Menschheit,Jenen listigen Zwergen der Welt, die in Künsten erfahren.Nur die Wurzel der Föhren erklimmt die verwitterten Schrofen,Und der Fittig des Aars umschwebt die Gefilde des Eises. –Aber der Spiegel des Sees, in funkelnder Bläue verschwimmend,Dehnt sich in magischem Dufte hinaus, wie unendliche WonnenTrunkenem Auge verheißt ein Traumbild wogender Sehnsucht.

Wunderbar süß ist dein mächtiger Reiz, goldleuchtender Bergsee,Daß sich die Brust aufschließt in ahnenden Schauern der Gottheit,Grauenerfüllt in der Einsamkeit der erhabenen Urwelt,Gleich als führte kein Pfad in die lachenden Auen zurücke,Gleich als wäre das Menschengeschlecht noch nimmer erschaffen,Oder als wär’s schon längst von dem donnernden Zorne der GötterSeit Jahrtausenden wieder vertilgt von der nährenden Erde,Daß nur Asche noch weht von Eroberern, von Schaaren der Krieger,Frommen Mönchen und zahllosem Volk im Staube der SonneDraußen auf Haiden im Sturm. – Hier waltet erfrischende KühleUnentweihter Riesennatur voll heiligen Friedens,Schattenumschwebt wie die stygische Fluth. Nur Schatten von WolkenSind’s, die d’rüber hinzieh’n und manchmal ruhen am Felsport.

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