Literaturbriefe an eine Dame — XXV
„Wo ist der Gewinn unsres Kommens und Scheidens?Was bleibt von der Bürde unsres Hoffens und Leidens?“
„Darf ich Dir sagen mit leisem Munde,Als was ich den Menschen betrachte im Grunde?Als ein elendes Geschöpf, das geknetet aus Staub lebt,Und so lange es lebt, nur dem Kummer zum Raub lebt.“
„Und malt’ ich auch zu glühend seine Minne,So denkt: was wäre Kunst wohl ohne Sinne?“
„An allem haft’ ich, was die ErdeSchmückt und umkränzet lebensvoll,Und frage nicht, woher das WerdeAm ersten aller Tage scholl.Hier mit gewachs’nen Wurzeln stehenDie Blumen, wo die Quelle springt;Hier mit geschwinden Schritten gehenDie Menschen, wo der Vogel singt.Hier trägt mich hochgemuth zum StreiteMein Roß, hier winkt mir Dank und Lohn,Hier klirrt und klingt mir an der SeiteDes Schwertes Wucht, der Harfe Ton.Ich freue mich der goldnen Siegel,Die auf das dunkle Blau gedrückt,Wie ihres Glanzes holder SpiegelIn schönen Augen mich entzückt.Und jedes freundliche Begegnen,Womit das Glück die Stunde ziert,Und jede Freude will ich segnen,Die mir ein Erdentag gebiert.
Hier wo die Bäume Schatten geben,Und nicht auf luft’gen Wolkensteig,Ruft mich die Kunst, grüßt mich das LebenUnd grünet in der Sinne Zweig.“
„Schon damals wurmte der Hohn mich,Den ein zerschellt Ideal wieherndem Pöbel entlockt –“
„Du des Vergessens holde Blume,Du schmückst, o Mohn, das Schlachtgefild,Ein schön’rer Preis dem Heldenthume,Als Marmelstein und Bronzebild.“
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