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Prinz Karneval (Die Gartenlaube 1892
Prinz Karneval.(Zu dem Bilde S. 101.)
Die Fahne hoch in freiem Flug,Und hinterdrein ein langer ZugVon lustigen Gesellen!Prinz Karneval ist eingekehrt,Die Pritsche ist sein Heldenschwert,Es klingeln seine Schellen.
Fort alles, was das Herz bedrängt,Was uns in enge Fesseln zwängt,Die Heuchelei und Lüge!Das kühne Wort schlägt zündend einUnd fegt die dumpfen Lüfte reinFür freie Athemzüge.
Und des Champagners Gluth erhelltMit rosigem Schimmer Herz und Welt,Und Gram und Sorge schwinden,Und schöne Tage, längst verträumt,Erstehn zum Leben lichtumsäumt,Uns neuen Kranz zu winden.
Die Maske vor in Spiel und Scherz,Die Maske fort von Geist und Herz,Die wir im Leben tragen!Heut hat die Narrheit FeiertagUnd ohne jeden Schleier magSie selig sich behagen.
Du Prinz und Herr im Narrenreich,Du bist beschwingten Faltern gleich,Die farbenprächtig funkeln –Doch naht mit seinem MottenflugDer Aschermittwoch früh genug,Dein Leuchten zu verdunkeln.
Bald löscht er aus der Lichter Glanz,Hat wie gespenstigen TotentanzDen Maskenscherz vertrieben;Doch blieb ein Leuchten noch zurück,Und Funken sind’s von Lust und Glück,Die aus der Asche stieben.Rudolf von Gottschall.
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