Der Letzte von Hohen-Realta
„Aus dem dunkeln Geklüft und zerriss’nen GesteinWas stürzet dort siegend hervor?Es ist der gewaltige, freie Rhein,Der sprengte das Felsenthor.“
„Verfallen und wehmuthsvoll schauenZu Thale, die Thürme, die grauen, –Ein geisterhaft Flüstern um sie.“ –
Da wo der junge Rhein erzürnt und wildDer finstern Viamalaschlucht entschießetUnd abwärts durch’s Domleschger ThalgefildIn tausend Wirbeln seine Wasser gießet;
Im Schloß, das weithin in die Schlucht hineinDen Weg nach Welschland räub’risch kann belauern,Der letzte Zwingherr Bündens steht allein,Geharnischt auf der Zinne seiner Mauern.
Der Bauernaufruhr schwoll zum Schloß empor,Im Blute liegen, die es sollten schirmen,Empörung klopft mit starker Faust an’s ThorUnd rüttelt an den Mauern, an den Thürmen.
Des Ritters Aug’ von Berg zu Berge schweift,Ob irgendwo noch Rettung zu erpochen;Doch alle Burgen ringsum sind geschleiftUnd alle Warten, alle Thürm’ gebrochen!
Mit hohlen Augen, wie aus off’nem Grab,Grinst ihn der Tod an aus des Thales Schlunde,Gebrochen ist des Adels Herrscherstab –Er fühlt es tief und spricht mit stolzem Munde:
„Zum mächt’gen Riesen wuchs heran der Zwerg,Die Ritter können ihn nicht mehr besiegen,Die Landesherrlichkeit ist von dem BergHinab zum Bauern in das Tal gestiegen.
Der Letzte bin ich und zum Tod bereit;Allein der Feind soll meinen Leib nicht haben,Mit ihm will ich die alte Ritterzeit,Hinunterspringend in den Rhein, begraben!“
So sprechend, stürzt im Harnisch er beherztHinunter in die Tiefe vom Castelle,Und über seinen Leichnam spielt und scherzt,Aufschäumend im Triumph des Stromes Welle.
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