Von Katzen (Storm)
Vergangnen Maitag brachte meine KatzeZur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen,Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
5Die Köchin aber – Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche –Die wollte von den Sechsen fünf ertränken,Fünf weiße, schwarzgeschwänzte MaienkätzchenErmorden wollte dies verruchte Weib.
10Ich half ihr heim! – der Himmel segne
Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen,Sie wuchsen auf und schritten binnen KurzemErhobenen Schwanzes über Hof und Heerd;Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
15Sie wuchsen auf, und Nachts vor ihrem Fenster
Probirten sie die allerliebsten Stimmchen.
Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,Ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit. –Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,
20Und Maitag ist’s! – Wie soll ich es beschreiben,
Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
25In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
Die Alte gar – nein, es ist unaussprechlich,Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!Und jede, jede von den sieben KatzenHat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen,
30Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen!
Die Köchin ras’t, ich kann der blinden WuthNicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;Ersäufen will sie alle neun und vierzig!Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon –
35O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren.
Was fang’ ich an mit sechs und funfzig Katzen! –
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